Tag des offenen Denkmals

Am Sonntag, dem 8. September, findet der bundesweite Tag des offenen Denkmals statt. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. So wird der Bogen zum Jubiläumsjahr „100 Jahre Bauhaus“ geschlagen. Baubürgermeister Michael Stötzer eröffnet 10.30 Uhr gemeinsam mit Claudia Großkopf, Vorsitzende des Vereins der Straßenbahnfreunde e.V. und Thomas Morgenstern von der Denkmalschutzbehörde der Stadt im Straßenbahndepot Kappel, Zwickauer Straße 164.

Auch im Einzugsgebiet der Bürgerplattform Chemnitz-Mitte werden Kulturdenkmäler geöffnet sein und bieten Neugierigen interessante Angebote:

Chemnitz Viadukt und Führungen entlang des Chemnitzer Bahnbogens
Im Bereich des Streckenabschnitts der DB Netze von Chemnitz Hauptbahnhof bis Kappel sind die Bahnhofsgebäude, Teile der Bahnsteigüberdachungen, Bahnbrücken mit Böschungen und Einfriedungsmauern als Kulturdenkmale erfasst und bilden eine geschützte Sachgesamtheit gemäß Sächsischem Denkmalschutzgesetz. Das Hauptgebäude des Südbahnhofes wurde vor Jahren von der DB AG verkauft und wird durch die heutigen Eigentümer in der neuen Nutzung als „Kulturbahnhof“ ausgebaut. Der Gebäudeteil unter der Hauptstrecke an der Südbahnstraße befindet sich noch im Eigentum der DB AG und soll mit Beton verfüllt und die Brücke über die Reichenhainer Straße komplett erneuert werden, der Haltepunkt Chemnitz-Mitte wird vor dem alten Nikolai-Bahnhof verlagert. Die DB Netze eröffnet am gleichen Tag ein Infozentrum im Industriedenkmal Fabrikgebäude Lothringer Straße 11. Von 10 bis 17 Uhr gibt es hier Informationen zum aktuellen Stand der Planungen, zur Viadukt- und Streckensanierung durch die DB Netze. Dabei steht das Viadukt an der Annaberger Straße als ein stadtbildprägendes Verkehrsbauwerk und markantes Zeugnis der Eisenbahngeschichte im besonderen Fokus. Es wird am Denkmaltag im Rahmen von Führungen nach Bedarf näher vorgestellt.

11 bis 17 Uhr Beckerstraße am Bahnviadukt, Viadukt e.V. Ausstellung: „Warum sich Kämpfen lohnt“: der Verein wird den Kampf um das alte Viadukt darstellen.
10 bis 17 Uhr Infozentrum der DB Netze, Lothringer Straße 11
sowie Führungen entlang des Bahnbogens durch den Viadukt e. V. und DB Netze sowie „Ideen für das Umfeld gesucht – die Chemnitzer sind gefragt“ Viadukt e.V.

Stadtbad Chemnitz, Mühlenstraße 27
Das Stadtbad ist ein hervorragendes Denkmal der sachlichen Architektur des Neuen Bauens der 1920er Jahre. Nach seiner Eröffnung gehörte es zur damaligen Zeit zu den größten Hallenbädern Europas. Auf dem Standort der abgebrochenen Werkzeugmaschinenfabrik des Johann von Zimmermann beschloss der Stadtrat 1928 die Planung und Errichtung eines großen Hallenschwimmbades. So entstand eines der prominentesten Bauwerke der Neuen Sachlichkeit in Chemnitz, geplant vom Hochbauamt der Stadt unter Leitung von Stadtbaurat Fred Otto und ausgeführt unter der Oberbauleitung von Stadtbaudirektor Max Neumann. Das Gebäudeensemble ist gekennzeichnet durch die geschickte Anordnung kubistischer Baukörper, deren Größe von der inneren Funktion abhängig ist. Bekrönt wird der Komplex durch ein quadratisch gerastertes Hallenoberlicht über der 50-Meter-Halle. Die Schwimmbadanlage umfasst noch die 25-Meter-Halle, Wannen-und Brausebäderabteilungen, Schwitzbäder, und das zentrale Foyer mit breitem Treppenaufgang.

10 Uhr Führung zur Technik des Stadtbades durch Mitarbeiter des Sportamtes (Voranmeldung erforderlich unter 0371 488-5248 / Kasse Stadtbad)
14 Uhr Führung zur Architektur und Baugeschichte, Bettina Schülke, Denkmalschutzbehörde

Ehemalige Astra-Werke, Altchemnitzer Straße 41
Zu Jahresbeginn 1928 beauftragte der ASTRA-Konzern den Chemnitzer Architekten Willy Schönefeld mit der Planung des neuen Betriebsgebäudes in Altchemnitz. Schönefeld hatte 1923 das Camman-Hochhaus noch im Art Deco gestaltet, während er das neue Astra-Werk konsequent in Formen der Neuen Sachlichkeit mit tiefgestaffelter kubistischer Baugliederung und Bandfassade konzipierte. Eine symbolische Schreib-/ Addiermaschinentaste – als Wahrzeichen des Unternehmens – bildet den vertikalen Kontrast zur lagerhaften, horizontalen Fassade. Bereits im Herbst 1928 begann der Bau, der 1929 fertiggestellt war. In DDR-Zeiten gehörte der Betrieb zum ASCOTA-Buchungsmaschinenwerk. Nach der 1992 erfolgten Einstellung der Produktion kam es zum Verkauf durch die Treuhandanstalt. Der neue Eigentümer ließ dann das Industriedenkmal zum Verwaltungsgebäude für das RP Chemnitz umbauen (heute Landesdirektion Sachsen). Die Umbauplanung erstellte das Architekturbüro Punkt, Berlin.

Der heutige Nutzer, die Landesdirektion Chemnitz, bietet Objektführungen stündlich von 10 bis 13 Uhr durch Gästeführerin Edeltraud Höfer an.

Rembrandtstraße 41, Mietshaus
Das lange Zeit dem Verfall preisgegebene gründerzeitliche Mietwohnhaus ist in den letzten zwei Jahren saniert und wieder einer Nutzung als Wohnhaus zugeführt worden. Im Inneren wurden dabei historische Befunde von prägenden Raumfassungen freigelegt und dokumentiert. Von den nachweisbaren vier Befunden aus verschiedenen Epochen wurde die Fassung des Art Deco als seltene Treppenhausfassung in Chemnitz restauratorisch erhalten und denkmalgerecht wieder hergestellt.

In einer Führung um 14 Uhr wird die Innenraumrestaurierung durch die Restauratorin Katharina Leubner erläutert, begleitet von Uwe Göhler, den verantwortlichen Bauleiter für das Gebäude.

Stadtkirche St. Jakobi, Jakobikirchplatz 1
Die Kirche St. Jakobi hinter dem Rathaus zählt neben der Schloßkirche und der Stiftskirche Ebersdorf zu den kulturhistorisch wertvollsten Kirchen in Chemnitz. Sie war Markt-und Stadtkirche für die Bürger der mittelalterlichen Stadt. Das heutige Kirchengebäude hatte einen romanischen Vorgängerbau aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts. An Stelle der ersten romanischen Saalkirche entstand zwischen 1350 und 1365 eine dreischiffige gotische Hallenkirche mit einer Ausdehnung von fünf Jochen. Den Abschluss der mittelalterlichen Bautätigkeit an St. Jakobi bildete die Anfügung des großartigen Chores zwischen 1405 und 1412. In nachfolgenden Epochen erfuhr St. Jakobi gestalterische Veränderungen, die noch heute an den Fassaden erkennbar sind. Nach schweren Kriegszerstörungen 1945 konnte die Kirche bis heute wieder in originalen Formen rekonstruiert und restauriert werden. Im Mittelpunkt des Chores steht der spätgotische Flügelaltar aus der Johanniskirche, dessen geschnitzte Teile um 1504 von Peter Breuer und die Flügelgemälde von Hans Hesse geschaffen wurden. Im vorigen Jahr konnte der restaurierte Altar mit dem künstlerisch gestalteten neuen stelenartigen Trägerelement wieder geweiht werden.

Kirchenführung am Tag des offenen Denkmals: 13.30 Uhr, Treffpunkt vor Eingangsportal